Chronik

Rodenbach wurde erstmals 1325 urkundlich erwähnt (Regesten der Erzbischöfe von Mainz 1289-1328, (Leipzig 1913) S. 521 Nr. 2634).
Die geschichtliche Entwicklung des Maintaldorfes Rodenbach begann jedoch schon früher. Sie reicht zurück bis zu jener Zeit als die Grafen von Ravensburg die Herrschaft über das Dorf inne hatten. Die Chronik besagt, dass parallel zur Errichtung der Klosterniederlassung Rohrlach (heutiges Neustadt am Main), die Grafen von Ravensburg ihre Gebietsherrschaft ostwärts zum Maintal ausdehnten und bei der Quelle am rothen Bach eine Jagdhübner-Hütte errichteten und sie mit einem Jäger besetzten. Er hatte den Auftrag seines Herren, den großen Wildbestand zu betreuen und zu nutzen. Dem Jagdhübner folgte bald ein Bachhübner, der den Fischreichtum in Maintal wahrnahm. Neben der Jagdhübner-Hütte wurden Köhlerstellen angesiedelt. Die Quelle und die Jagdhütte mit der Köhlersiedlung lagen auf einer Höhe, die vom Wasser des damals die ganze Talbreite einnehmenden Maines, nicht berührt werden konnte. Die heute noch bestehende und katasteramtlich bezeichnete Köhlergasse, ist im Volksmund erhalten gebliebener Nachweis der Entstehung und der Ansiedlung des Dorfes. Um das 12. Jahrhundert kam auf Bestreben der Grafen von Ravensburg und dem Fürstbischof von Mainz, ein Abkömmling der Grafen von Reineck als Herrscher in das Maintal. Dieser setzte sich im Sinngrund fest und erbaute eine Burg, der er den Namen Rieneck (abgeleitet von seinem Stammsitz Reineck) gab. Ab dieser Zeit war die Herrschaft der Ravensburger bei uns abgetan und die Rienecker waren die neuen Herren von Rothen Bach (Rodenbach). Diese brachten weitere Ansiedlungen ins Tal am rothen Bach und begannen mit der Urbarmachung der Talflächen, besonders aber mit der Nutzung des gewaltigen Waldreichtums, vornehmlich der Eichenbestände, die über den Main ins Rheinland und sogar bis nach Holland transportiert wurden. Die Herrschaft der Rienecker nahm sich landwirtschaftlich beste Flächen und errichteten eine Maierrei mit vorwiegend Schafzucht. Deren mehrere hundert Schafe weideten im Tal und auf den Höhen oberhalb der heutigen Köhlergasse, wo alte Eichen bis an den Rand der Siedlung wuchsen. Heute noch ist diese Feldflur katasteramtlich als Schafberg bezeichnet.
Eine große Leistung für die Landwirtschaft war die Aufarbeitung und Verwendung der großen Steinmeere an den Berghängen des Rosenrain, in der Klinge und in den Talwiesen. Als um die Jahre 1525 das Schlösschen, heutiger Gutshof, erbaut wurde, kamen die ersten Zimmerleute und Maurer nach Rodenbach. Da man die Unmenge von Steinen aus den Steinbrüchen um Rodenbach gewann, war ein neuer Industriezweig entstanden.
Etwa 1558 hatte Graf Georg von Lautern die Herrschaft von „Rothen-Bach“ inne und gestaltet den herrschaftlichen Gutsbetrieb auf Land- und Viehwirtschaft um. Die letzten Eichen auf den Höhen des Rosenrain-Rosenwiese und Schafberg mussten der Landwirtschaft und Viehhaltung weichen und wurden gefällt. Die Quelle am Fuße des Rosenrain wurde umgestaltet und ein Tränktrog für weidegängiges Vieh errichtet, welcher 1951/52 bei Einfassarbeiten für die örtliche Wasserversorgung wieder gefunden wurde. Diese Quelle hat heute noch die katasteramtliche Bezeichnung „Lautersbrunn“, nach dem Namen des Erbauers, dem Grafen von Lautern. In den Zeiten der Völkerwanderung kamen weitere Siedler aus der Rheingegend und Westfalen. Diese tüchtige Ackerbauern und Waffenschmiede waren die Hauptpioniere der bäuerlichen Sesshaftmachung. Sie rodeten den Südhang des Heidbühles und betrieben viele Jahre lang Weinbau, den sie jedoch gegen 1700 aufgaben. Was davon übrig geblieben ist, sind halb verfallene Weinbergmauern und die übernommene Katasterbezeichnung „Alte Weinberge“. Während den Zeiten der Ackerland-Kultivierung bestand die Leibeigenschaft, nur lediglich 7 freie Bauerngehöfte bestanden. Als Ackerland wurde den Hörigen die noch unwirtschaftlichen und von der Herrschaft und den freien Bauern nicht beanspruchten Flächen zur Rodung und Nutzung zugewiesen. Da der Main nördlich von Rodenbach noch zweiarmig von Lohr herunterkam und der Boden aus reinem Kies bestand, der jedoch langsam nutzbar gemacht wurde, gab es einen Mangel an Weidegründen für die Viehherden. So bestand bis Mitte 1800 eine Berechtigung der Waldweide. Heute noch heißt der große Weidenstreifen vom Dorf durch die Waldgemarkung „Der Trieb“, weil dort damals das Vieh in den Wald getrieben wurde. Die Wassertröge an den verschiedenen Waldquellen waren die Tränkstellen, die Eichen- und Buchenbestände mit ihrem Waldgras die Weidestellen. Neben Viehzucht bauten unsere Vorfahren auch Flachs und Hanf an, um aus diesen Rohfasern ihre Kleidung herzustellen, da Wolle nur für die Grafen und Vögte erschwinglich war. Es entwickelte sich der Beruf des Leinenwebers und des Wollwebers. Im 16. und 17. Jahrhundert war die Entwicklung und Tätigkeit in Rodenbach gut entwickelt und einige Weber besaßen ihre eigenen Holzkähne, mit denen sie ihre Erzeugnisse bis nach Frankfurt und Köln brachten.
Als jedoch der Eichenreichtum erschöpft war, die einstige Steinindustrie durch Erfindung des Zements (um 1870) unrentabel wurde und die Weber durch die Technik der mechanischen Webstühle und die fabrikmäßige Herstellung überflüssig wurden, mussten andere Verdienstmöglichkeiten gesucht werden. Besonders die jungen Steinmetze und Steinhauer haben sich anderen Berufszweigen zugewandt. Da die bayerische Staatseisenbahn junge Leute suchte, sahen sie, in der erst im 19. Jahrhundert erbauten Eisenbahnlinie Nürnberg-Frankfurt und dann Lohr-Wertheim, wieder eine Berufs- und Verdienstmöglichkeit.
Als um 1929/1930 die Kunde in die Gemeinde kam, dass der durch Erbbestand verliehene und verpachtete Gut, vom Freiherr von Dahlberg, der jahrzehntelang Majoratsinhaber des Gutes Rodenbach war, verkauft werden soll, war in der Gemeinde der gemeinsame Wille, den Besitz zu kaufen. Da der Majorat aus drei Herren bestand, wovon einer in Wien, einer in Düsseldorf und einer in London lebte, wurden die Verkaufsbedingungen durch die Dahlberg'sche Administration in Aschaffenburg, Herrn Justizrat Stadelmeyer am Stiftsberg, mitgeteilt. Eine bittere Überraschung war jedoch, dass die fürstlich Löwenstein'sche Herrschaft, über das Forstamt Lindenfurt, ebenfalls Interesse am Gutshof zeigte. Somit entfachte ein Kampf um das Gut, wobei die Gemeinde Rodenbach den Kampf für sich entscheiden konnte. Die Dahlberg'sche Besitzfläche, einschließlich Waldbesitz, wurde für 90.000 DM erworben. Ausgenommen war jedoch das Gutshofanwesen mit angrenzendem Gartenland. Die Gemeinde trat laut Urkunde als Käufer auf und war damit Gesamtschuldner.
Es bestand jedoch schon im voraus die Absicht, die landwirtschaftlichen Flächen in Teilflächen nur an zahlungskräftige Bauern und Kleinbetriebe zu verkaufen. Dies kam jedoch nicht zur Ausführung, da sich Bürger, die keine oder nur kleine Grundstücke besaßen, beim Bezirksamtvorsteher beschwerten. Dieser gab dem Gemeinderat die Anweisung, jeden Interessenten in den Kreis der Käufer einzubeziehen. So mussten die großen ehemaligen Gutsflächen in kleinere Parzellen aufgeteilt, vermessen und mit Steinen abgemarkt werden. Dadurch erhöhten sich die Ausgaben der Gemeinde von ursprünglich 90.000 DM auf 120.000 DM.
Das Rienecker Schlösschen (Gutshof)

1525 wird das Rienecker Schlösschen (Gutshof ), durch Jahrhunderte an Rienecker oder Mainzer Vasallen im Erbbestand verleihen und weiterverpachtet, im Bauernkrieg zerstört. Die Eheleute Philipp III. von Rieneck und Margarete von Erbach bauten den Gutshof 1531 wieder auf. Davon zeugt heute noch unter anderem das deren Ehewappen. 1559 starben die Rienecker aus und der Gutshof samt Rodenbach gehört Mainz und Hanau gemeinsam und bildet nun mit Wombach eine Gemeinde. Im Jahre 1731 wird das Rienecker Hofschlösschen erneut aufgebaut und kam 1744 in die Hände der Herren von Erthal. Nach dem Aussterben der Erthals 1805 ging das Schlösschen an die Herren von Dahlberg und später an die Grafen von Coudenhove.
Kirche vor der Renovierung
Die Filialkirche St. Rochus

1736/1738 wird die Filialkirche St. Rochus erbaut und die Seelsorge von den Kapuzinern aus Lohr übernommen. Erst nach dem Aussterben des Lohrer Kapuzinerklosters wurde 1820 eine Kaplanei für Rodenbach errichtet. Einen eigenen Friedhof bekam Rodenbach jedoch erst 1826, sodass keine Beerdigung mehr auf dem Friedhof in Lohr durchgeführt wurde. Im Jahre 1831 wurde dann eine eigene Pfarrei errichtet und ein Pfarrhaus gebaut, welches am Standort der allerersten Kapelle 1833 fertig gestellt wurde.
Kirche während der Renovierung
Die Unterlagen, aus der diese Chronik entstand, wurden von Herrn Jakob Sammetinger zur Verfügung gestellt.

 
 
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